PIXOTE |
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122 Min. | 644119 DE | 19.10 € [order] |
| Originaltitel: | Pixote: A Lei do Mais Fraco | ![]() |
| Regie: | Hector Babenco | |
| Musik: | ||
| Darsteller: | Fernando Ramos da Silva, Jorge Julião, Gilberto Moura, Edilson Lino, Zenildo Oliveira Santos, Jardel Filho, João José Pompeo, Tony Tornado, Elke Maravilha, Marília Pêra | |
| Brasilien 1981 |
Unzählige Kinder schlagen sich in den Straßen von Brasiliens größter Stadt Sao Paulo allein durch. Sie sind Waisen, oder sie sind von ihren verarmten Familien weggelaufen. Um zu überleben, müssen sie für kriminelle Banden Dienste erbringen: Diebstahl, Raub, Prostitution, Gewalt. Solange sie nicht volljährig sind, können sie nicht strafrechtlich belangt werden. Dafür aber werden sie, wenn die Polizei sie einfängt, in sogenannte Erziehungsanstalten gesperrt, was einem Gefängnis beinahe gleichkommt.
Auch der 10 Jahre alte Pixote landet in so einer Anstalt. Dort ist es noch gefährlicher als auf der Straße. Mißbrauch und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Der Anstaltsleiter steckt mit Verbrechern und korrupten Bullen unter einer Decke. Pixote versucht allem Ärger mit stärkeren Mitinsassen aus dem Weg zu gehen.
Der brutale Bulle Almir "leiht" sich öfter mal eine Gruppe von Jungs aus für Gegenüberstellungen und Verhöre. Bei einem solchen inoffiziellen Ausflug werden zwei Jungen von den Bullen bei Nacht und Nebel regelrecht hingerichtet. Die Müllabfuhr findet die weggeworfenen Leichen.
Pixotes Freund Fumaça wird mit so schweren Verletzungen zurückgebracht, daß er im Krankenzimmer stirbt. Auch seine Leiche wird auf der Müllkippe entsorgt. Der Fall kommt im Fernsehen. Journalisten decken den Skandal auf. Inspektoren kommen in die Erziehungsanstalt, um die dubiosen Verhältnisse zu beleuchten. Die Anstaltsleitung behauptet, einer der Jugendlichen habe Fumaça bei einer Schlägerei verletzt. Als der Beschuldigte sich gegen die Lügen wehrt, wird er vom Personal totgeschlagen.
Der Gewaltexzeß gegen die gefangenen Kinder und Jugendlichen löst nun in der Anstalt eine Revolte aus. Es kommt zu einem Massenausbruch. Pixote bleibt mit drei anderen Jungen zusammen: der schwule Lilica, der von ihm angebetete Dito, und Chico. Wieder müssen sie von Taschendiebstählen leben, aber sie sind frei und nicht länger den gewalttätigen Übergriffen der Anstalt ausgesetzt.
Die Jungs finden Unterschlupf bei einem von Lilicas reichen Freiern. Dieser läßt Dito, Chico und Pixote draußen in den Straßen Drogen verkaufen, während er sich im Bett mit Lilica vergnügt. Für ein großes Geschäft schickt Cristal die Jungs als Drogenkuriere nach Rio. Dort am wunderbaren Strand erleben sie für einen kurzen Augenblick unbeschwertes Glück. Sie können träumen, von dem besseren Leben, das sie sich mit dem verdienten Geld schaffen wollen. Aber die Brutalität der Unterwelt holt die unerfahrenen Jungs ein und treibt sie in eine ausweglose Lage...
Hector Babenco knüpfte mit "Pixote" an die sozialkritischen Jugenddramen des Neorealismus an. De Sicas "Sciuscia" aus dem Italien der frühen Nachkriegsjahre und Buñuels "Los Olvidados" aus Mexiko der 1950er Jahre ergänzt Babenco mit einem Bild aus Brasilien zu Beginn der 1980er Jahre. Man muß vor allem zum Verständnis der brutalen Praktiken der Polizei wissen, daß Brasilien zu jener Zeit von einem Militärregime regiert wurde. Fehlende Rechtsstaatlichkeit hatte einen gefürchteten Polizeiapparat entstehen lassen. Daran mag sich seit der Rückkehr zur Demokratie einiges zum Guten geändert haben. Die Armut von Millionen jedoch hat in den endlosen Elendsvierteln rund um die wohlhabenden Metropolen nach wie vor Bestand, und mit ihr auch eine der höchsten Kriminalitäts- und Mordraten der Welt.
Gedreht wurde der Film mit jugendlichen Laiendarstellern aus den Favelas von Sao Paulo. Hauptdarsteller Fernando Ramos da Silva wurde dadurch in Brasilien über Nacht zum Teenie-Star. Weitere Filmrollen brachten ihm nicht den erhofften Erfolg, er konnte dem Milieu seiner Herkunft nicht entkommen. 1987 starb er bei einer Verfolgungsjagd durch eine Polizeikugel.
Die Zusammensetzung der Akteure spiegelt die multiethnische Vielfalt der brasilianischen Bevölkerung, das bizarre Miteinander extremer Gegensätze und auch eine erstaunliche Liberalität. Lilica wird als schwuler Junge gesellschaftlich zwar nur toleriert, aber wenigstens wurde Homosexualität in Brasilien nie kriminalisiert.
Mit erschütternder Nüchternheit fühlt Regisseur Hector Babenco seiner Hauptfigur, dem kleinen Pixote, buchstäblich auf die Haut. Was Pixote und seine Freunde während weniger Wochen durchmachen, ist bittere Realität in Sao Paulo und Rio de Janeiro, dem Zuschauer kommt es aber wie ein Alptraum aus einem anderen Universum vor. Sex, Drogen und Gewalt zehren die Kinderseele auf.
(Pino DiNocchio)
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644119 DE - mit Wendecover - | ![]() | |
| Tonspur: | Deutsch / Portugiesisch | ||
| Untertitel: | D | ||
| Bild: | 16:9 Widescreen 1:1.85 | ||
| Extras: | Wendecover, Dokumentation "Pixote in Memoriam", Bildergalerie |
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